2022 kommt Porsche kaum aus dem Feiern heraus. Neben 50 Jahren Porsche 911 Carrera RS 2.7 und 25 Jahren Porsche 996 kommt nun noch der runde Geburtstag eines der ganz großen Porsche-Ingenieure: Peter Falk. 33 Jahre lang war er bei Porsche in verschiedenen Positionen der Bereiche Rennsport und Entwicklung tätig. Am 27. November feierte er seinen 90. Geburtstag.
Die Liste der Erfolge, die Peter Falk als Porsche Rennleiter verantwortete, ist ellenlang. Besonders die Gruppe-C-Ära bleibt dabei unvergessen. Unter Falks Leitung errang Porsche sieben Siege bei den 24h von Le Mans und elf Weltmeistertitel. Auch bei der Paris-Dakar-Rallye holte Porsche unter Falk 1984 und 1986 zwei Gesamtsiege. Damit ist Falk bis heute erfolgreichster Porsche Rennleiter. Trotzdem gilt der in Athen geborene Ingenieur bis heute als überaus bescheiden. Für ihn war das Team der Star und er war nie müde, das zu betonen. Die Reihe seiner Weggefährten reicht von Herbert Linge, über Hans Mezger und Norbert Singer bis hin zu Jacky Ickx, Walter Röhrl und Hans-Joachim Stuck.
„Ich habe immer gesagt, ich bin selber gar nichts, aber mein Team muss gut sein. Und das ist das Wichtigste.“
Peter Falk
Peter Falk schickte sich nach einer Lehre als Automobilschlosser an, Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Kraftfahrzeugtechnik zu studieren. Bereits in der Jugend war er von jeglicher Form der motorisierten Fortbewegung fasziniert. Falk sagt dazu heute: „[…]kein Wunder, dass ich die intensive Beschäftigung mit der Technik dieser Fahrzeuge zu meinem Beruf machte.“
Nach einem Podestplatz bei einer Geschicklichkeitsfahrt auf dem Motorrad wechselte der zu dem Zeitpunkt 24-Jährige Peter Falk als Co-Pilot in den Rallye-Sport. Als Beifahrer seines Nachbarn Alfred Kling konnte Falk 1957 die ersten Erfolge feiern. Die beiden gewannen die Rallye Genf und die Internationale Deutschland-Rally auf Porsche.
1959 heuerte Peter Falk ins Versuchsingenieur der Fahrerprobung bei Porsche an – als einer von nur zehn Mitarbeitern in der Abteilung. Fünf Jahre später wechselte er in den Bereich Vorentwicklung und Rennbetreuung. So kam er auch als Co-Pilot von Herbert Linge bei der Rallye Monte Carlo 1965 zum Einsatz. Dort setzten sie beiden erstmals eine rudimentäre Gegensprechanlage ein. „Ich sprach in einen dicken Plastikschlauch, der direkt in Herberts Helm führte. Dieses Sprachrohr hat hervorragend funktioniert“, zog Falk ein positives Fazit. Am Ende belegte das Team auf Porsche 911 2.0 einen beachtlichen fünften Gesamtrang.
Als Leiter der Abteilung Vorentwicklung und Rennen, von 1973 bis 1981 auch Versuchsleiter Serienentwicklung zeichnet Falk verantwortlich für eine ganze Reihe überaus erfolgreicher Sport- und Rennwagen aus dem Hause Porsche. So ist er maßgeblich am Porsche 906, 908 und 917 beteiligt, verhilft Porsche damit auch zum ersten Gesamtsieg in Le Mans 1970. Später verantwortet Falk die Bereiche Karosserie, Getriebe, Fahrerprobung und Dauerläufe für die Baureihen 911, 924 und 928.
Außerdem geht die Anstellung eines weiteren legendären Porsche Ingenieurs auf Falks Kappe. 1970 stellte er Norbert Singer ein. Singer selbst spricht noch heute andächtig und begeistert über seinen damaligen Vorgesetzten. „Er hat uns bei der Entwicklung des 956/962 freie Hand gelassen, uns unsere Ideen verwirklichen lassen und uns dabei stets vertraut“, erinnert sich Singer. Viele der gemeinsamen Erinnerungen hielt Falk übrigens in seinem fantastischen Buch 33 Jahre Porsche Rennsport und Entwicklung fest.
Er hat uns bei der Entwicklung des 956/962 freie Hand gelassen, uns unsere Ideen verwirklichen lassen und uns dabei stets vertraut. Für alles, was wir gemacht haben, hat er die volle Verantwortung übernommen. Mir ist erst viel später bewusst geworden, wie besonders das war.
Norbert Singer über seinen damaligen Chef Peter Falk
Auch Walter Röhrl hat nur Positives zu berichten. „Ich bin ein großer Bewunderer von Peter Falk, von dessen Ruhe und Besonnenheit. Es war für mich unvorstellbar, dass sich ein Mensch so extrem auf etwas vorbereitet. Er hatte seinen Computer dabei und hat mir im Prinzip alle 100 Meter gesagt, dass ich ein bisschen zu schnell oder zu langsam bin – und das über 500 Kilometer“, so Röhrls Fazit nach der gemeinsamen an der Oldtimer-Rallye Ennstal-Classic 1997. Natürlich holten die beiden den Gesamtsieg.
Nach unzähligen Erfolgen im Rennsport wechselte Peter Falk 1989 als Leiter zur Fahrwerksabteilung. Dort steuerte er die Vorentwicklung des Porsche 993 und später des 996. Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass er auch in dieser Funktion auf ganzer Ebene Erfolg hatte.
Übrigens ist Falk ein bekennender Allrad- und Offroad-Fan: „Ich war immer ein Rallyefreund, jemand, der nicht nur auf schönen Asphaltstraßen fahren kann. Für mich war es immer wichtig, dass ein Auto auch im Gelände gut sein sollte“, so Falk. Damit dürfte er den Porsche 911 Dakar, spirituellen Nachfolger „seines“ Paris-Dakar-Siegers 911 Carrera 3.2 4×4, sicherlich auch als eine Art Geburtstagsgeschenk begreifen.
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Geschäft 1993 blieb Peter Falk Porsche eng verbunden. In unzähligen Interviews als Zeitzeuge hatte Falk bis zuletzt immer noch Anteil an der Aufbereitung der Firmenhistorie im Porsche Museum. Gleichzeitig ist Falk immer noch begeisterter Rallye-Fan. Nach wie vor beteiligt er sich emsig an der Organisation von Oldtimer-Rallyes. Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch“ zum 90. Geburtstag eines der ganz Großen aus Porsches Firmenhistorie!
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Elferspot Magazin